Erziehungstipps für taube Hunde -

und alle anderen, die es trotzdem lernen wollen

Im Prinzip ist Ihr tauber Hund (wir gehen jetzt mal davon aus, dass Sie einen Welpen übernommen haben, bei erwachsenen Hunden ist es so ähnlich, aber unter Umständen ein bisschen schwieriger ;o) ein Welpe wie jeder andere: er schläft, schläft und schläft, und zwischendurch frisst und spielt er.

Nutzen Sie dieses Spielen vom ersten Tag an für die spätere Erziehung!

Als Welpe ist der Hund am besten in der Lage, geprägt zu werden und eine feste Bindung zu seinem "Rudel" aufzunehmen. Unerwünschtes Verhalten sollten Sie von Anfang an unterbinden, erwünschtes Loben und Fördern. Die z. Zt. beliebte Praxis, unerwünschtes Verhalten schlichtweg zu ignorieren, führt allein nicht zum Erfolg, denn woher soll Ihr Hund wissen, was er darf und was nicht, wenn es ihm nie gesagt wurde? Aktives Ignorieren des Hundes (Sie entfernen sich z. B. von ihm) im richtigen Moment führt zu beachtlichen Erfolgen, ein einfaches Zuschauen (= passives Ignorieren) bei seinen Schandtaten bestätigt ihn in seiner Meinung, etwas richtiges zu tun.

Bei tauben Hunden sollten sie von Anfang an Wert darauf legen, dass Ihr Hund nur dann bellt, wenn es einen Grund gibt, zum Beispiel, wenn jemand an der Haustür ist. Ein leichtes Umfassen der Schnauze mit dem Zeichen für "Nein!" und gleichzeitiges Aussprechen des Befehls lassen den Hund schnell begreifen, was Sie wollen.

Sprechen Sie immer die Befehle auch aus, der Hund achtet stark auf Ihre Mimik! Er kann auch ganz leicht unterscheiden, ob Sie es gerade ernst meinen oder nicht. 

Die Erziehung des Welpen zum wohlerzogenen Hund funktioniert im Prinzip genau wie bei hörenden Hunden, mit der Ausnahme, dass Sie sich anstatt der Befehle Zeichen überlegen müssen.

Überfordern Sie den jungen Hund nicht! "Komm", "Sitz", "Bleib", "Nein" , dann "Stop" und "Platz", reichen fürs erste, danach stehen Ihnen alle Worte offen, die unsere Sprache kennt... Sie können sich auch ein Taschenbuch der Taubstummensprache anschaffen, da bekommen Sie eine große Auswahl an Zeichen gegeben. Sagen Sie Ihrem Hund, wenn er den Ball holen soll, Sie Auto fahren, Sie weggehen, er etwas suchen soll usw., da sind dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt. Unser Diégo versteht um die 15 Zeichen, ohne das wir sie ihm speziell beigebracht hätten. Sie haben sich zum Teil durch den täglichen Umgang ergeben und durch die immer gleichen Handbewegungen bei bestimmten Wörtern, z. B. auf das Körbchen zeigen, wenn er dort hin soll o. ä.

Sie können auch z. B. einen Hundeverein aufsuchen und sich dort unterstützen lassen, es gibt sicherlich einen Hundeplatz in Ihrer Nähe, wo hundegerechter Unterricht angeboten und man auch einen tauben Hund freundlich begrüßen wird.

Sie sollten unbedingt bei jeder Gelegenheit den Hund unvermittelt anstupsen und wecken, überall berühren und dabei viel loben und anlächeln und mit ihm kuscheln, damit er Berührungen und Aufwecken mit etwas positivem verbindet und er nicht einmal unvermittelt falsch reagiert.

Lassen Sie den Kleinen schon als Welpen ganz viel kennen lernen, vor allem Kinder (nur in Ihrem Beisein! - Kinder reagieren nicht immer richtig und prägen den Hund dann evtl. völlig falsch) und auch größere Menschenmengen, kleinere Partys o. ä. eignen sich hervorragend, es sind viele liebe Menschen da und den (tauben!) Hund stört die Musik bestimmt nicht!

Sparen Sie nicht an Belohnungen, vor allem, wenn der Hund zu Ihnen kommt. Machen Sie sich attraktiv für den Hund! Wenn es sich nicht "lohnt" zu Ihnen zu kommen, wird er vielleicht einmal eine Hasenfährte oder einen anderen Hund vorziehen, wenn Sie nach ihm winken...

Lassen Sie ihn unbedingt schon als Welpe (in geeignetem Gelände) auch von der Leine, er muss lernen, sich mit den Gefahren der Welt zurechtzufinden, mit anderen Hunden zu spielen und Sozialverhalten zu erlernen.

Gut bewährt hat sich eine auf 8m ausziehbare Leine, als Welpe fühlt sich der Hund völlig unabhängig und frei, und auch dem erwachsenen Hund bietet sie die Möglichkeit, mit anderen Hunden zu spielen, während der Besitzer jederzeit eingreifen kann. In der Nähe von Straßen oder in Gebieten, wo Sie den Hund anleinen müssen, hat er mit einer Ausziehleine noch immer maximale Freiheiten und Sie können unabhängig von seinen Schnüffeleien gleichmäßig spazieren gehen, ohne ständig anhalten zu müssen.

Stürmt der kleine Steppke übermütig voraus, zum Beispiel im Wald um eine Kurve, sollten Sie die Gelegenheit nutzen und sich hinter einem Baum o. ä. verstecken. Der Kleine wird ganz schnell merken, dass er sich nach dem Rudelboss richten muss, sonst steht er eines Tages alleine da... Sie fördern so seine Sorgfalt, sich häufiger nach Ihnen umzuschauen und sich nach Ihnen zu richten.

Achten Sie unbedingt darauf, dass jede Bezugsperson die gleichen Zeichen anwendet (Spickzettel), damit der Hund nicht verwirrt wird! Es gibt keine "speziellen" Zeichen für taube Hunde, wenden Sie Ihren Erfindungsgeist an oder richten Sie sich nach dem Hundesport, den Sie betreiben, im Agility wird z. B. viel mit Handzeichen gearbeitet.

Machen Sie sich von vornherein klar, was Sie von Ihrem Hund erwarten! Reicht es Ihnen, wenn Ihr Hund die "Grundschule" beherrscht, oder möchten Sie ihn sportlich führen und Lorbeeren erringen?

Zur Grundschule der Erziehung sollten Sie sich nach den bekannten Methoden richten und die Fachliteratur für "hörende" Hunde zu Rate ziehen. Eine komplette Erziehungsberatung zu veröffentlichen würde leider unseren Rahmen sprengen. Wir können Ihnen lediglich unsere Erfahrungen mitteilen und versuchen, die besonderen Aspekte, die ein tauber Hund mit sich bringt, aufzuzeigen. Weiterführende Literatur finden Sie in unseren Buchtipps.

Bei weiteren, spezielleren Fragen nutzen Sie bitte unser Forum oder senden Sie uns gerne eine e-Mail, dann werden wir versuchen, Ihre Frage zu beantworten!