Eine vergoldete Hüfte

 

Geboren vermutlich im April 2000, wurde Jule schon wenig später, im Alter von ca. 4Jule im Korb (Januar 2001) Monaten, ausgesetzt auf Hamburgs Straßen aufgelesen.

Sie kam ins Tierheim Süderstraße, wo sie lange Zeit in Einzelhaft musste, weil sie Demodex-Milben hatte.

Auf Jule wurden wir zufällig aufmerksam: Wir schauen regelmäßig im Tierheim vorbei und fragen nach tauben Hunden.

Eine Pflegerin war sich bei Jule nicht ganz sicher, ob sie "einfach blöd ist" (das meinte jedenfalls der größte Teil der Pfleger) oder vielleicht taub, weil sie auf Rufe nur ganz diffus reagierte, und im Zwinger häufig wie in Trance saß.Jule schläft gerne "etwas anders"...

Wir nahmen Jule also mit auf eine Wiese des Tierheims und spielten mit ihr.

Zunächst war die Ablenkung durch Gerüche, Gras und Zweige so groß, dass Jule auf Rufen überhaupt nicht reagierte, auf Winken jedoch schon.

Nach einiger Zeit wurde jedoch deutlich: Jule kann Geräusche nicht orten, sie schaut häufig in die ganz falsche Richtung, wenn sie etwas hört. Durch einige Übung außerhalb des Zu den Vermittlungsseiten abschirmenden Zwingers ist sie nun aber in der Lage, ihre laterale (einseitige) Taubheit fast vollständig zu kompensieren. Ab und an kommt es zur allgemeinen Erheiterung noch vor, dass sie ein Geräusch gar nicht einordnen kann, und dann zum Beispiel das Sofa anbellt, weil sie meint, da wäre ein Meerschweinchen drin.

 Jule und ihr Teddy

Jules größtes Problem ist aber ein ganz anderes:

Bei unserem Besuch im Tierheim fing Jule während des Spielens an zu lahmen.

Nach ungefähr einer Woche hatte das Tierheim endlich Zeit, Jule zu röntgen.

Niederschmetternder Befund: hochgradige Hüftgelenksdysplasie beidseitig! Und das mit nur acht Monaten!

Die Pfleger und der Tierarzt des Tierheimes rieten uns davon ab, Jule zu nehmen. Einer Operation waren sie nicht positiv gestimmt und so sollte es Jules Schicksal sein, auch die restlichen Wochen ihres Lebens im Tierheim-Zwinger zu verbringen.

Jule im Juli 2001Das konnten wir aber nicht mit unserem Gewissen vereinbaren: dieser lebenslustige Junghund sollte wenigstens die restliche Zeit in freundlicher Umgebung verbringen dürfen!

Auch das eindringliche Abraten hielt uns nicht davon ab, Jule aus dem Zwinger zu holen.

Großzügiger Weise sah das Tierheim von der Vermittlungsgebühr ab!

Jules Zustand war in der Anfangszeit wenig versprechend: sie fiel bei Wendungen um, hatte einen sehr schlechten Stand, konnte nur wenige Meter laufen und sackte dann zusammen. Sie weigerte sich, viel zu gehen, lahmte stark rechts.

Nichts desto trotz wollte sie spielen: die erste Zeit lag sie dabei in ihrem Korb und ruderte mit den Vorderbeinen.

Wir gaben ihr Schmerzmittel (zunächst Rimadyl, später Arthridog), und „vergoldete“ Gelenkschmiere: Cosequin.

Zunächst war Jules Bewegungsdrang voll und ganz gestillt, wenn wir dreimal am Jule beim "Power-Sleeping"Tag die Straße rauf und runter gingen, doch sie baute immer mehr Muskeln auf:

Mittlerweile tobt sie mit den anderen herum, buddelt Maulwurfshügel um und hüpft umher wie ein Kaninchen.

Wir haben nun sogar die Schmerzmittel abgesetzt und siehe da: Jule fehlten nur die Muskeln, sie lahmt jetzt nur noch, wenn sie beim Spielen wirklich übertrieben hat (2 ½ Stunden umhertoben schafft aber auch jeden anderen Hund!).

 

Jule starb am 9.11.2001 an den Folgen eines Autounfalls.