„Ein tauber Hund hat keine Lebensqualität“ sagen viele Menschen....Silence beweist das Gegenteil!

Wie kamen wir zu einem tauben Hund

 Ich fing gerade mit meiner Ausbildung zur Hundepsychologin an, als ich auf die Internetseite http://www.dalmatiner-in-not.de/ stieß. Viele der zu vermittelnden Tiere waren taub. Wie interessant, dachte ich und suchte nach Literatur über taube Hunde. Ich fand mehrere Vorschläge, meistens in englisch. Das machte mir keine Angst, weil ich vor 12 Jahren eine Ausbildung zur Übersetzerin für Wirtschaftsenglisch absolvierte und über ein Jahr in Amerika lebte.

Das Buch, für das ich mich entschied, war von Barry Eaton mit dem Namen „Hear, Hear! A Guide to Training a Deaf Puppy“ und konnte von mir in den Niederlanden bestellt werden bei „Break The Chain“, Tel. NL (0) 255 52 44 66. Zum Glück wohnt meine Cousine dort und konnte mir das Buch mitbringen, weil der Geldtransfer elendig teuer war (hier hätte ich neben dem Buchpreis von DM 30,- noch DM 15,- Transferkosten zahlen müssen).

Barry beschrieb den Umgang mit den tauben Hunden auf sehr simple und einleuchtende Weise. Ich verschlang das Buch und dachte mir, dass ich so einem armen Wesen, dass keiner haben wollte, ein schönes Zuhause geben wollte.

Der Entscheidungsprozess für oder gegen einen Hund

Allerdings hatten wir zu der Zeit zwei Katzen (eine Straßenkatze aus Dänemark und einen Straßenkater aus Griechenland), so dass ich schon überlegte,  welches Alter der Hund haben sollte, damit eine Integration für alle durchführbar ist. Einen Hund beim Züchter kaufen wollte ich auf keinen Fall, weil es so viele Hunde gibt, die dringend auf ein neues Zuhause warten.

Mit Wissen gestärkt, ging ich noch einmal auf die oben genannte Seite und fand unter den Vermittlungshunden einen kleinen, knautschigen Dalmatiner.  Oh, war der süß. Naja, alle Welpen sind süß, oder? Ich rief die dafür vorgesehene Nummer an und er war noch „zu haben“. Allerdings erbat ich mir noch Bedenkzeit aus, weil ich die Entscheidung dafür oder dagegen in letzter Konsequenz nicht allein zu treffen hatte.

Ich war mir auch unsicher, ob es Sinn machte, vor unserem Umzug einen Hund anzuschaffen, weil ich gerade mit der Ausbildung angefangen bin und Silence nicht mein erster Hund sein würde. Daher war mir klar, welchen Arbeitsaufwand ich mir zusätzlich „ans Bein binden „ würde! Aber wie das Leben so spielt, hatte Silence sich wie ein Pfeil in mein Herz gebohrt. Und der Entscheidungsprozess hinsichtlich eines Für oder Wider, bereits in diesem Lebensstadium einen Hund anzuschaffen, fiel innerhalb der Familie zu Gunsten von Silence aus.

 

Die Kontaktaufnahme

Also fuhren wir bald darauf diesen kleinen Genossen besuchen und waren hin und weg.....das Kindchenschema funktioniert immer! Also auch bei uns.

Angst vor der Erziehung hatten wir nicht, denn wir wussten wie ausgeprägt die Hunde auf Körpersprache und Geruch, als auch auf Sichtkontakt reagierten. Weitaus mehr als auf verbale Kommandos. Außerdem hatte ich mir andere Seiten zur Erziehung tauber Hunde zu Gemüte geführt, die nur bestätigten, dass das alles kein Problem ist, wenn man sich mit dem „WIE“ auseinandergesetzt hatte.

Dann kam der Tag des neuen Zuhauses dieses Knautschhundes mit den vielen Fellfalten. „Schicker Anzug, den er da trug...nur noch ein bisschen zu groß!“

 

Reaktion unserer Katzen

Unsere Katzen reagierten erst einmal mit Ablehnung, besonders weil sich Silence als unerschütterlicher Abenteurer entpuppte. Ein Welpe eben! Silence lernte schnell die Körpersprache der Katzen einzuordnen, denn die Kratzer auf seiner Nase waren nun wirklich nicht sein Pläsierchen!

Es dauerte nicht lange, da wussten die Katzen den Welpen einzuschätzen und konnten ihn gut unter Kontrolle halten. Bald schon schliefen die Katzen mit in seiner Koje. Besonders unser Kater „Apollo“ hatte ein Herz für dieses impertinente, aufdringliche Hundetier und entschloss sich, sein Busenfreund zu werden. Merle, unsere Dänin, verhielt sich weiterhin nordisch kühl, aber duldete den Tollpatsch. Auf ihre Art mag sie Silence, aber sie war und ist halt eher ein zurückhaltender, menschenbezogener Typ, während Apollo schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte und eher zum Hund Zutrauen fasste. Er schlief mit Silence in der Koje, man pflegte einander das Fell, man schmuste und spielte zusammen. Apollo maunzte uns an, wenn er was wollte, aber den Hund hat er jedes Mal begrüßt und seinen Kopf an Silence Schnauze gestupst. Manchmal nahm der Hund des Katers Kopf ins Maul, während Apollo entspannt liegen blieb. Sie waren ein Herz und eine Seele. Wobei auch die Katzen sich sehr gerne mochten.

Apollo ist leider am 20.Okt.01 verstorben, wahrscheinlich ein Autounfall. Für uns ein schlimmer Verlust, unter dem ich noch heute leide. Nur die Gewissheit, dass er trotz des frühen Ablebens wenigstens ein super Leben mit uns hatte, beruhigt mich etwas. In Griechenland wäre er schon längst tot gewesen.

Mittlerweile haben wir einen neuen Kater, der aber noch scheu ist und sich meistens im Oma-Sofa verkriecht. Ein Ersatz für Apollo sollte er nicht sein, aber seit kurzem geht der Neue auf Tuchfühlung mit Silence....schon wieder ein Busenfreund???? Unglaublich, aber Silence mag Katzen...dass muss der Neue spüren!

 

Silence Wesen

Silence war von Anfang an ein ziemlicher Draufgänger und ein unerschrockener Raufbold mit ausgeprägter Tendenz zur Dominanz. Dies haben wir liebevoll und geduldig kanalisiert, indem er nicht aufs Bett durfte, immer als letzter die Wohnung betritt, vor der Futtergabe sitz machen muss bis er die Erlaubnis erhält, zu fressen usw. Silence hat verstanden, wo sein Platz ist, mit der Sicherheit, dass er ein fester Bestandteil unseres Rudels ist.

Silence ist sehr lernfähig und versteht schnell, was man von ihm will. Mit Grobheit kommt man bei ihm überhaupt nicht weiter. Das verunsichert ihn dermaßen, dass gar nichts mehr geht. Bei ihm zieht nur KONSEQUENZ, KONSEQUENZ und noch mal KONSEQUENZ gepaart mit Liebe und viel Belohnung. Dabei muss man ruhig bleiben, obwohl er einen schon mal zur Weißglut bringen kann, wenn er zum Tausendsten Male an das Katzenfutter geht. Er klaut  wie ein Rabe. „Vielfrass“ ist sein Zweitname! Nun, es ist unsere Aufgabe, zu verhindern, dass er „Dummheiten“ macht. Angeblich sind wir Menschen den Tieren geistig überlegen, dann sollten wir uns auch so verhalten... obwohl ich dies manchmal bezweifle!!!!! (welches Tier sägt schon an dem Ast auf dem es sitzt???...beachte Umweltverschmutzung, Atomwaffenversuche etc.)

Ansonsten macht er uns nur Freude. Er spielt leidenschaftlich gerne, macht nichts Außergewöhnliches kaputt, lässt Schuhe in Ruhe und will am liebsten nur nach draußen. Wenn er ausreichend draußen war, verhält er sich ruhig und zeigt Zufriedenheit. Er schmust gerne, ist aber dabei nicht aufdringlich. Nur Autofahren ist für ihn ein Greul. Ihm wird oft schlecht, so dass man darauf achten muss, dass er vorher nichts gefressen hat. Frisst er während der Fahrt besondere Leckerlis oder einen Knochen, dann geht es wunderbar. Alles eine Frage der Ablenkung.

Mit anderen Hunden verhält er sich gut sozialisiert und außer Spielgefechten und Rennspielen flüchtet er vor zuviel Aggression. Zweimal wurde er gebissen (nur Kratzer), was sein puppenlustiges Verhalten etwas dezimierte und er wachsamer ist, wenn er auf andere zurennt, um sie kennen zulernen oder mit ihnen zu spielen. Das einschätzen der Körpersprache beherrscht er aus dem „ff“.

 

Ein behinderter Hund kann nichts?

Seit kurzem sind wir mit unserem tauben Dalmi in der Rettungshundestaffel des DRKs. Silence hört so gut auf Handzeichen und man merkt immer wieder, dass er geistiges Futter ebenso benötigt, wie das andere Futter. Wir sind aber noch im Ausbildungsstatus, so dass eine entgültige Einschätzung, ob er als Katastrophenschutzhund geeignet ist, noch nicht abgeben können. Bisher macht er sich aber sehr gut und steht den hörenden Hunden in nichts nach. Im Gegenteil, beim Eignungstest, der zur ersten Einschätzung dient, ob ein Weitermachen sinnvoll ist, war er unter den besten. Ob ich stolz darauf bin? Naja, irgendwie schon, obwohl ich sonst nichts auf solche Gefühlsregungen gebe!

Schauen wir mal, wie er sich entwickelt. Wir sind da ganz optimistisch!!!

Kontakt zu uns

Wenn jemand Fragen zur Erziehung tauber Hunde hat, kann er sich via Email (free.dogs@freenet.de) an mich wenden. Oder geht auf die Seite http://www.dalmatiner-in-not.de/  und klickt auf „tauber Hund“. Die Infos sind gut aufbereitet und nehmen einem die Scheu, sich einen behinderten Hund anzuschaffen. Ich bin auch in Arbeit mit meiner Homepage, aber die dauert noch eine Weile. Hier schon mal der Zugriffscode:

www.free-dogs.de

Liebe Grüße

Michaela